Gendergedöns Teil 2 oder die Öffnung der Piratenpartei

Warum wollen so viele Frauen keine Piraten sein? In der letzten Zeit wurde darüber viel spekuliert und ich habe in meinem letzten Beitrag angekündigt, das zusammenzutragen. Warum wir einen höheren Frauenanteil für notwendig halten, haben ich und Arte Povera ausführlich begründet. Den Bereich der Sozialisation hat Arte Povera schon so gut erläutert, dass ich das jetzt nicht so sehr ausführe. Ich konzentriere mich besonders auf die Aspekte von denen ich glaube, dass wir konkret etwas daran ändern können. Euch möchte ich bitte, in den Kommentaren zu ergänzen, falls euch noch Zugangsbarrieren oder mögliche Gegenmaßnahmen einfallen. Ich hoffe, dass dann ein paar davon umgesetzt werden, in Richtung einer generellen „Öffnung der Piratenpartei“, nicht nur auf Frauen bezogen. Ich nenne Frauen als Beispiel, da ich den geringen Frauenanteil für ein besonderes Problem halte. Trotzdem beziehe ich mich ausdrücklich auch auf andere Menschen, die von uns aktuell abgeschreckt werden.

 

  • Insiderwitze: Manche Leute fühlen sich ausgeschlossen, weil sie uns einfach nicht verstehen. Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen. Wenn man schon auf den ersten Blick das Gefühl hat, eh nicht zu verstehen, was da abgeht, kommt man gar nicht so weit, sich mit den inhaltlichen Forderungen zu befassen. Ich würde mich in der Mittagspause auch nicht unbedingt zu ein paar Mathematikern an den Tisch setzen, da ich erwarten müsste, kein Wort zu verstehen. Ganz bestimmt hätte ich nicht den Eindruck, dass sie wünschen, dass ich bei ihnen „mitmache“ (Stichwort Mitmach-Partei). Um das klarzustellen: Natürlich möchte ich euch nicht dazu auffordern, unseren Humor aussterben zu lassen! Es sollen nur mehr Leute daran teilhaben können! Was tun? Im persönlichen Kontakt hilft dagegen sicherlich, ab und zu einen Witz oder eine Anspielung zu erklären. An Infoständen könnte ein Flyer „Piraten verstehen für Anfänger“ hilfreich sein. Mehrere Leute haben sich schon zur Mitarbeit bereit erklärt. Demnächst werde ich anfangen, in einem Pad Ideen zu sammeln. Interessierte können sich in den Kommentaren melden, bevorzugt mit Twitter-Kontaktdaten. Langfristig fände ich es gut, einen solchen Bereich auch auf der Homepage einzubauen. Wie Fritz richtig sagte, helfen natürlich auch Aktionen, andere Gruppen zu erreichen, z.B. Liederbuch-Aktion und das Volksbegehren gegen Studiengebühren in Bayern.
  • Schüchterne Menschen wollen sich vielleicht erst einmal unauffällig unter eine Gruppe mischen, ohne selber besonders aufzufallen. Als Frau fällt man aber bei den Piraten automatisch eher auf. Wenn wir erstmal mehr Frauen sind, wird sich das von selber ändern. Vorher kann man dagegen sicherlich nur etwas tun, indem man interessierte Frauen persönlich anspricht und ermutigt, sich das alles einmal in Ruhe anzuschauen.
  • Ruhigere Menschen kommen weniger zu Wort. Das liegt an der Gesprächskultur. Man muss manchmal ziemlich energisch auf sich aufmerksam machen, weil wenige dominante Menschen die Debatten dominieren. Ruhigere Menschen gehen mit ihren Ideen und Gedanken dabei unter. Eine ältere Piratin berichtete mir, dass gelegentlich jüngere Frauen bei den Stammtischen auftauchen, aber nach kurzer Zeit wieder wegbleiben, weil sie gar nicht zu Wort kommen. Dagegen könnte helfen, ruhigere Menschen ab und zu gezielt nach ihrer Meinung zu fragen und Menschen mit höheren Redeanteilen ab und zu darauf hinzuweisen, sich zurückzunehmen. Der nächste Punkt hängt mit diesem unmittelbar zusammen.
  • Trolle und Schreihälse: Leider werden besonnene und vernünftige Menschen bei den Priaten in Diskussionen auf Mailinglisten und Twitter manchmal so lange genervt, bis sie Ruhe geben. Einige scheinen der Meinung zu sein, eine Diskussion gewonnen zu haben, wenn das Gegenüber nichts mehr sagt. Das führt nicht dazu, dass die besseren Argumente gewinnen und das die kompetentesten Menschen gewählt werden. Dazu eine Geschichte aus einem Blog, leider finde ich den Link nicht mehr. An einer Schule bestand der Mathe-Leistungskurs fast immer nur aus männlichen Schülern. Der Test, um an dem Kurs teilzunehmen, war freiwillig. Irgendwann kam die Schule darauf, den Test für den ganzen Jahrgang zur Pflicht zu machen. Die Schülerinnen waren gleich gut und in der Folge war der Kurs immer mindestens zur Hälfte mit Schülerinnen besetzt (wer den Link hat: her damit!). Was ich damit sagen will: Wir müssen die Potentiale der Mitglieder finden und nutzen. Es sind nicht automatisch die am besten, die meisten von sich überzeugt sind. Ein ausgezeichnetes Instrument gegen Trolle und für qualitätvolle Arbeit ist aus meiner Sicht Liquid Feedback. Sinnlose Anträge schaffen dort das Quorum einfach nicht. Sinnlose Änderungsvorschläge muss man nicht berücksichtigen. Aus den Mehrheitsverhältnissen sieht man, dass meist die „schweigende Mehrheit“ recht vernünftig ist und nicht hinter den lauten Trollen steht. Deshalb ist es aus meiner Sicht dringend geboten, sich um eine Verbesserung und vermehrte Nutzung von LQFB zu bemühen (LQFB war übrigens für mich der Grund, Piratin zu werden).
  • Technische Zugangsbarrieren: Für manche Menschen ist ein Computer immer noch tendenziell bedrohlich. Sie empfinden es z.B. als Zumutung, täglich ihre Mails checken zu sollen, tippen langsam und sind nicht bereit, eine Diskussion in schriftlicher Form zu führen. Was tun? Dagegen hilft zum Einen, diesen Menschen Hilfe anzubieten, wenn sie in dem Bereich mehr lernen wollen. Zum Anderen sollten auch andere Möglichkeiten gut kommuniziert werden, z.B. RL-Treffen und Telefonnummern von Ansprechpartnern. Auch Medienkontakt, Straßenwahlkampf und Präsenz auf Veranstaltungen sind nicht zu unterschätzen, wie sich jüngst in Berlin wieder gezeigt hat. Kürzlich hatte ich einen sehr netten Kontakt zu einer aktiven Piratin, die nicht Twitter nutzt und sich über viele parteiinterne Angelegenheiten durch ihren Mann informieren lässt. Da nicht alle potentiellen Interessenten mit Piraten verheiratet sind, müssen wir also besonders aufmerksam mit nicht so internetaffinen Piraten und Interessenten umgehen.
  • Die Medien allgemein: Die Medien sind ein Problem. In fast jeder Einleitung zu einem Artikel über die Piraten steht, dass wir ein freies Internet fordern. Diese Festlegung auf das Hauptthema verhindert, dass Leser, die sich nicht als internetaffin betrachten, weiterlesen. Selten wird auch adäquat dargestellt, welche Gedanken von Freiheit und Bürgerrechten hinter unserer Forderung von einem freien Internet stehen. Dadurch merken viele Leser gar nicht, dass sie sich vielleicht doch mit unseren Forderungen identifizieren können.
  • Die Medien in Bezug auf Frauen bei den Piraten: Bereits in meinem letzten Artikel hatte ich dargestellt, dass es hilfreich wäre, wenn die Medien den geringen Frauenanteil nicht als Frauenfeindlichkeit der Piraten interpretieren würden, sondern aktive Frauen mal fragen würden und berichten, dass diese keine Benachteiligung erfahren und gerne mitarbeiten.
  • Vermitteltes Frauenbild: Da es nur wenige Frauen gibt, kann es auch vorkommen, dass sie abschreckend wirken, wenn eine interessierte Frau sich nicht mit den Frauen an ihrem lokalen Stammtisch identifizieren kann (s. dazu z.B. diesen Blogeintrag). In Wahrheit ist die Gruppe der Frauen in der Partei sehr heterogen. Manche sind sehr „nerdig“, andere sehr „weiblich“ und ihre Meinung zu Genderthemen deckt wahrscheinlich die ganze Palette von möglichen Meinungen zu diesem Thema ab. Es ist nicht möglich aus Sicht „der Frauen“ bei den Piraten zu sprechen. Aber es ist wichtig, allen zu zeigen, dass sie willkommen sind und bei uns nicht in Schubladen gesteckt werden!

Fazit: Piraten als Mitmach-Partei positionieren! Insgesamt wird für mich aus den aufgezählten Punkten immer deutlicher, dass wir uns stärker als Mitmach-Partei positionieren müssen. Den Wählern und potentiellen Mitgliedern zeigen, dass alle sich einbringen können und wir gerne unterschiedliche Menschen in unseren Reihen haben. Dazu könnte beitragen, kleine Mitmach-Aktionen an Infoständen zu machen, z.B. Umfragen zu aktuellen Themen. Also nicht: Wir sind eine Partei und wollen euch von unserer Meinung überzeugen, sondern: Wir sind eine Partei und uns interessiert, wie ihr die Probleme in diesem Land seht und was ihr für Lösungsideen habt. Ihr könnt übrigens auch selber mitmachen!

Dieser Beitrag wurde unter #Piraten abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten auf Gendergedöns Teil 2 oder die Öffnung der Piratenpartei

  1. Chaosfräulein sagt:

    Gute Gedanken!

    Würde mir als generell menschenscheuer Person sehr entgegenkommen, bin zufällig auch weiblich.

  2. SuddenGrey sagt:

    Guter Artikel mit vielen schönen Angriffspunkten. Nur diesen hier können wir nicht ändern: “Die Medien allgemein”, denn die Medien suchen sich immer den Punkt aus der am plakativsten ist. Da werden wir auch in vielen Jahren noch drauf festgenagelt werden :-)

    Weiter so und Danke sehr!

  3. Nodachi sagt:

    Gute Vorschläge und vergleichbar einfach umzusetzen. Insbesondere sind mir zwei Sachen aufgefallen die wirklich schnell in Angriff genommen werden sollten. Zum einen der Themenflyer “Piraten verstehen” (Anfänger würde ich persöhnlich weglassen, das ist schon fast eine abwertung der Person)
    Und zum anderen die Gesprächskultur, bei uns in LSA hat sich bewiesen am Anfang des Stammtisches soetwas wie einen Moderator zu wählen. Dieser kann dann auch sonst untergehende Piraten mal zu Wort kommen lassen.

  4. Noujoum sagt:

    Zwei Ansätze sind mir in den Diskussionen der letzten Zeit besonders häufig über den Weg gelaufen: 1) Das direkte Supporten von Frauen (z.B. wenn sie das erste Mal beim Crewtreffen sind etc.) und sie bei allem unterstützen, was sie gerne in Angriff nehmen wollen (also allen Frauen generell den Rücken stärken, v.a. auch im Shitstorm-Fall) und 2) braucht es weibliche Role-Models. Also Frauen, die sich eben doch dazu durchringen konnten, Verantwortung in Positionen und auf Listen usw. zu übernehmen, damit andere Frauen sehen, dass jede von uns es theoretisch schaffen kann.

  5. Biggi sagt:

    Guter Artikel, ich persönlich finde mich vor allem beim ersten Punkt wieder. Eine Art Insiderwitze-Wiki könnte helfen. Interessierten könnte so der Humor der Piraten näher gebracht werden, außerdem sind Wikis recht einfach zu bedienen und eignen sich daher vielleicht auch, die weniger Internetaffinen oder -geübten an Onlinemedien heranzuführen.

  6. Questionatic sagt:

    Schöner Artikel!
    Habe mir auch schonmal überlegt, dass ein Lexikon der häufigsten Insider, Hashtags, Fachbezeichnungen, Fremdwörter etc. vielleicht hilfreich sein könnte. Das Pad zur Ideensammlung würde mich daher auch interessieren.
    Auf Twitter bin ich unter http://twitter.com/questionatic zu finden.

  7. Matti sagt:

    Viele gute Ideen, danke. War mit Weib und Tochter gestern auf dem #RLPT11, und das Verhältnis m/w war schlechter als ich angenommen hatte, mindestens 10:1. Abends zuhause gabs noch längere Ursachenforschung, warum das so ist. Dein Fazit bringt es schön auf den Punkt.

    Kein Problem, dass die Piraten IT-lastig sind, das ist längst gesellschaftsfähig sogar bis hin zu cool. Auch dass da Leute sind, die von einigen Sachen richtig Ahnung haben, muss nicht per se abschreckend sein, das kann auch eine Haltung erzeugen, endlich mal welche, die ich fragen kann.

    Leider endet es hier. Diesen Verein, in dieser Beschaffenheit und mit dieser Ausstrahlung, pflanzen wir so wie er ist, roh, in die Landschaft und lassen ihn aufs Publikum wirken. Selbst als IT! hab ich einige Einstiegshürden empfunden. Wie geht das erst denen, für die Rechner nur Gebrauchsgegenstände sind. Teilweise fällt man schon auf, wenn man kein schwarzes T-Shirt anhat.

    Das betrifft natürlich nicht nur Frauen, aber da wird es sichtbar. Als ich zu den Piraten kam, waren zwei Freunde dabei, beide keine ITs, aber einer davon ziemlich technikaffin. Nach kurzer Zeit waren die nicht mehr dabei, weil die sich zu häufig aussen vor fühlten, auf mehreren Ebenen, Sprache, Geläufigkeit im Umgang mit den Werkzeugen und dem Infochaos, den ganz schön anspruchsvollen politischen Themen und Hintergründen, und in Diskussionen.

    In all diesen Bereichen müssen wir Neuankömmlinge unterstützen, so gut wir können. Wir wollen eine Mitmachpartei sein, aber wirklich offen und einladend sind wir noch nicht.

    Bspw. könnten die zuletzt neu hinzugekommenen den ganz Neuen den Laden und die Abläufe, Themen, Zusammenhänge erklären, etwa bei den Stammtischen. So lernen beide Seiten, und die Level sind nicht so verschiedenen. Und pro Gruppierung einen in Piratendingen erfahreneren Menschen mit dieser Funktion (Anlaufstelle), mit Piraten-Mailadresse extra für diesen Zweck. Wiki ist gut und schön, aber anfangs findet man da gar nix. Informationsorte und -flüsse dürfen nicht nur für Graphentheoretiker überschaubar sein.

    Wir sollten Neulinge persönlich eine Weile an die Hand nehmen, und das ist nicht abfällig gemeint.

  8. Steffi sagt:

    Hallo müslikind,

    ich muss einfach mal ein ziemlich großes Kompliment loswerden, war schon von Deinem ersten Beitrag zum Thema sehr begeistert. Und mag, dass Du sehr lösungsorientiert an die Herausforderungen rangehst. Inhaltlich als Mitmach-Partei positionieren ist ziemlich gut, hätte auch von einem erfahrenen Politik-Berater kommen können. Die Öffnung der Partei ist wahnsinnig wichtig! Ich hoffe, dass Du weiter ganz aktiv mitmischst, freue mich auf Deine nächsten Beiträge!!

    Liebe Grüße aus Berlin, Steffi

  9. Knuddelmuff sagt:

    Hallo,

    sehr schöner Beitrag, interessant zu lesen. Ich muss allerdings sagen, dass man vorsichtig mit dem “wir nehmen neue Interessenten an der Hand” sein sollte, sonst verschreckt man Leute noch durch aufdringliches Handeln. Wenn ich irgendwo neu bin (ist jetzt kein allgemeingültiges Beispiel, ich weiß), möchte ich erstmal einfach in Ruhe gucken und zuhören, wie alles so abläuft, was das für Menschen sind und so weiter und mich dann einbringen, wenn ich mich “bereit” dazu fühle. Natürlich möchte ich auch nicht komplett ignoriert werden, klar, aber wenns nach jedem Satz im Gespräch “Und was meinst du dazu?” ertönt und alle gespannt gucken, wär ich spätestens nach dem dritten Mal total überfordert und würd mich gern verkriechen.

    Einige Kommentare hier bei dem Beitrag bieten aber schon gute Anregungen. Die Idee von Matti mit der Einleitung wäre schonmal eine Idee. Ansonsten ist auch die Sache mit dem Moderator, die Nodachi erwähnt hat, etwas, das ihr vielleicht verfolgen solltet. Nicht nur im Bezug auf Newbies, wer länger dabei ist und sonst eher ruhig, wird ja nicht automatisch zum Schreihals und kann “mittönen”. Als Spielleiter eines Pen & Paper – Rollenspiels und ruhiger Spieler in anderen Runden kenn ich die Problematik durchaus und wenn dann einer mal groß “STOP!” ruft, alle eine Minute mal schweigen und dann ruhig weitergemacht werden kann, hilft das ungemein. Man kann auch eine Reihenfolge festlegen oder nach Handzeichen gehen (weniger beim RP, als beim Gespräch ;) ). Oder, auch wenn es nach Kindergarten oder Therapie klingt, man lässt einen Gegenstand rumgehen und es darf immer nur der reden, der ihn gerade hat, einen Ball oder einen Stab oder sowas. Allein dieser Moment des “Gib mal rüber” ist eine Sekunde Pause, die schätzungsweise auch zu einem entspannten Klima beitragen könnte. (Das habe ich allerdings bisher nur “In-Time” ausgetestet, also keine Garantie für Realitätstauglichkeit. ;) )

    Tjo. Ansonsten ist die Idee, mehr real präsent zu sein ebenfalls eine meiner Meinung nach gute. Zum einen erreicht ihr damit auch Leute, die eben nicht mit dem Netz aufgewachsen sind und z.T. nicht mal einen Computer haben. Zum anderen seid ihr außerhalb des Internets quasi nur durch die Medien präsent und solange die sich am Genderproblem, eurem Newbie-Status und der Netzpolitik aufhängen, wird das dadurch erzeugte Bild auch weiterhin in den Köpfen der Leute umherschwirren. Wenn ihr aber selbst öffentlich präsent seid, könnt ihr dem vielleicht etwas entgegensteuern. :)

    Liebe Grüße
    Knuddelmuff

  10. Pandialo sagt:

    Ich find verdammt gut, dass du dir so praktische Gedanken zum Problem machst. Zum Punkt “Gesprächskultur” würde ich als Vorschlag noch die Praxis der Redelisten hinzufügen.
    Ich weiß, dass die teilweise in Verruf sind, sie würden einen natürlichen Gesprächsfluss behindern oder dergleichen. Ich hab bisher (über Jahre) durchweg positive Erfahrungen damit gemacht. Zwar bin ich bioMann, habe aber ein recht zurückhaltendem Redeverhalten. Wenn dann eine Diskussion geregelter abläuft, in der Reihenfolge der notierten Meldungen und nicht in der, die Menschen ihr durch ihr agressives Redeverhalten aufdrücken, die lautstark andere unterbrechen, kommt jede_r potentiell zu Wort.
    Wahlweise kann dann auch noch quotiert werden (ich weiß, das ist noch viel verpönter), etwa nach Geschlecht oder nach Erstredner_innen, die neu in die Debatte einsteigen. Ich kann wirklich nur empfehlen, dergleichen mal auszuprobieren, soweit das noch nicht passiert ist.

  11. Matti sagt:

    @Knuddelmuff: guter Einwand, die Zutat respektvoller Umgang, nicht auf den Geist gehen gibt das Bild “an die Hand nehmen” nicht her. Da brauchts ein besseres, um das Konzept auf den Punkt zu bringen.

  12. Pingback: Genderdebatte und Frauenquoten in der Piratenpartei « Kegelklub

  13. Rahelno sagt:

    Hallo!

    Die angesprochenen Punkte finde ich sehr wichtig allerdings fehlt mir immer noch ein anderer Punkt: Wie bringe ich Frauen überhaupt erst dazu sich für Politik / politische Arbeit zu interessieren? Ein Punkt ist meiner Erfahrung nach der das Politische Arbeit als ewige Diskussion ohne sichtbares Ergebnis, als insgesamt zu Abstrakt empfunden wird. Dazu kommen natürlich die von dir genannten Punkte. Da sehe ich auch noch weiter Punkte an denen gearbeitet Wesen müsste. So unterscheiden viele nicht zwischen Streit und Diskussion – die wenigsten wollen wohl irgendwohin um sich ständig zu streiten. Des witeren kann es nicht schaden am Umgang mit Kritik zu arbeiten. Stichwort: Kritik an einer Aussage / Sichtweise ist nicht Kritik an der gesamten Person.

  14. Pingback: Eichhörnchendebatten-HowTo. Oder: Hausaufgaben für den Bundesparteitag (beta) « Kegelklub

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>