Eine Grundsicherung für Kinder

Es folgt ein Antrag, den ich schon zu einem BPT eingereicht habe und weiter verfolgen möchte. Damit der Text weiter diskutiert werden kann, kriegt er hier einen neuen Platz.

Antragstext

  1. Die Piratenpartei setzt sich auf Bundesebene dafür ein, dass eine Grundsicherung für alle Kinder – auch Flücht-lingskinder – mindestens entsprechend der Forderung des “Bündnis Kindergrundsicherung“ eingeführt wird.
  2. Diese soll bisherige Kindergeldregelungen ersetzen und unabhängig vom Elterneinkommen ausgezahlt werden.Um sie sozial gerecht auszugestalten, soll sie mit dem Grenzsteuersatz des bisherigen elterlichen Einkommensohne Kindergrundsicherung versteuert werden.
  3. Einen Anspruch auf diese Grundsicherung sollen alle Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahrensowie in der Ausbildung befindliche Erwachsene bis zum Alter von 25 Jahren haben.

Begründung

  1. Kinder können kein eigenes Einkommen generieren. Sie sind dadurch vollkommen abhängig von den wirt-schaftlichen Verhältnissen ihrer Eltern. Kinder stellen für Eltern ein erhebliches finanzielles Risiko dar. Men-schen, die im Niedriglohnbereich tätig sind sowie alleinerziehende Elternteile müssen häufig „ergänzende Lei-stungen zur Sicherung des Lebensunterhalts“ („Hartz IV“) in Anspruch nehmen. Arbeitslose Eltern mit gerin-ger Qualifikation und mehreren Kindern haben kaum Möglichkeiten, Beschäftigungen zu finden, bei denen siemehr verdienen als Hartz IV.
  2. Gäbe es eine Grundsicherung für Kinder, wären Eltern auf dem Arbeitsmarkt Menschen ohne Kindern finanziell gleichgestellt.
  3. Eine Grundsicherung für Kinder könnte also bei vielen Eltern dazu führen, dass sie nicht mehr als Aufstockerzum Jobcenter müssen oder dass sie überhaupt erst eine Beschäftigung aufnehmen können. Diese Maßnahmewürde einen deutlichen Bürokratieabbau mit sich bringen (Kindergeld, Hartz IV).
  4. Wichtiger ist aber die Bedeutung für die betroffenen Familien. Sie müssen sich nicht mehr der behördlichenSchikane aussetzen, haben das Gefühl, selbständig leben zu können und müssen nicht mehr unter Arbeitslosig-keit leiden. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Arbeitslosigkeit von Eltern massive negative Auswirkun-gen auf deren Kinder hat. Die Möglichkeit (nicht der Zwang!) zu arbeiten wirkt sich also auf die Entwicklungder Kinder der Betroffenen positiv aus.
  5. Die Zukunft der Gesellschaft hängt davon ab, dass Kinder geboren werden und gute Entwicklungschancen undBildung erhalten. Einen Großteil der Last tragen die Eltern: Das finanzielle Risiko und den erheblichen zeit-lichen Aufwand sowie die massiven Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Da die gesamte Gesellschaftvon den Kindern profitiert (Rente, Pflege etc.), ist es angemessen, alle zumindest an der Grundsicherung für dieKinder zu beteiligen.
  6. Bisher werden Flüchtlingskinder durch das Asylbewerbergesetz benachteiligt und bekommen noch wenigerGeld als Kinder von HartzIV-Empfängern. Das widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention.333PA229
  7. Eine Grundsicherung für Kinder steht nicht einem Einsatz gegen die Ungerechtigkeit von Hartz IV und füreine generelle Umsetzung der Forderung nach einer sicheren Existenz entgegen. Im Gegenteil ist sie ein ersterSchritt auf dem Weg zur Umsetzung des Rechts auf gesellschftliche Teilhabe, da man sich in diesem Bereichmit anderen Akteuren zusammentun kann und diese Forderung zunächst leichter durchsetzbar sein dürfte, alsForderungen zur sicheren Existenz für alle Menschen.
  8. Neben der individuellen Grundsicherung muss selbstverständlich auch die Infrastruktur für Kinder, z.B. ge-sellschaftlich finanzierte Bildungs- und Freizeitangebote verbessert werden. Geld- und Sachleistungen solltenaber nicht gegeneinander ausgespielt werden, denn Kinder brauchen beides: Wohnung, Essen, Kleidung UNDSchule, Freunde und Spiel.

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Krippe und Betreuungsgeld

Auf den ersten Blick mag es plausibel erscheinen, Eltern, die zu Hause ihr Kind betreuen, dafür zu „bezahlen“. Schließlich wird zu Recht von vielen Seiten bemerkt, dass Familienarbeit (auch finanziell) zu wenig honoriert wird und Frauen deshalb u.a. oft wenig Rente bekommen. Aber das Betreuungsgeld ist keine sinnvolle Maßnahme zur Unterstützung von Familien. Um das zu begründen, möchte ich etwas ausholen.

Zunächst sollte die Entwicklung von Kindern natürlich im Blick stehen. In meinem Studium habe ich mich im Fach Psychologie und meiner Diplomarbeit schwerpunktmäßig auf frühkindliche Bindung konzentriert (Hier mehr darüber). Bei der Auswertung von Studien zur Krippenerziehung kamen wir im Seminar zu dem Ergebnis, dass Krippenerziehung Kindern einen Nutzen bringen kann. Dafür gibt es zwei wichtige Voraussetzungen: Die Qualität der Krippe (bes. Betreuungsschlüssel) und die Betreuungszeit. Eine tägliche Betreuungszeit von bis zu 5 Stunden in einer guten Krippe ist demnach für die meisten Kinder eine Bereicherung. Eine Mutter sagte mal zu mir: Sie sei froh darüber, dass ihr Kind bis mittags so viel Spaß gehabt habe, denn sie würde bestimmt nicht so viel Action mit Fingerfarben, Singen, andere Kinder treffen usw. veranstalten wollen. Der Nachteil: Der Verdienst ihres Halbtagsjobs (als Akademikerin) geht fast ganz für die Betreuung ihrer beiden Kinder in Krippe und Kita drauf.

In meinem Job arbeite ich mit Müttern und Kindern. Die meisten Babys werden mit ca. 6 Monaten in der Krippe eingewöhnt und bleiben täglich 3 Stunden. Sie genießen es. Sie genießen die Aufmerksamkeit ihrer Bezugsbetreuerin und der älteren Kinder (als einziges Baby, da jede Gruppe nur einen Säugling aufnimmt). Sie profitieren von der kompetenten Förderung. Besonders wenn ihre Mutter ihnen wenige Anregungen bietet oder keine zuverlässige Bindungsperson ist, kann beides von unschätzbarem Wert sein für die frühe Entwicklung des Kindes. Drei Stunden in einer anderen vertrauten Umgebung mit anderen vertrauten Personen schaden einem Kind in der Regel nicht. Um eine gute Bindung aufzubauen, müssen die Kinder nicht permanent bei der Mutter/dem Vater sein. Die Qualität der Zeit mit dem Kind ist ausschlaggebend, z.B. dass die Eltern auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen und zuverlässig sind. Sind die Eltern keine guten Bindungspersonen, können andere Bezugspersonen dies zum Teil ausgleichen. Solche Eltern würden kein Betreuungsgeld bekommen, wenn sie ihren Kindern diese wichtigen Erfahrungen ermöglichen. Eine Krippe ist also kein „Aufbewahrungsort“ für Säuglinge und Kleinkinder sondern ein wichtiger Bildungsort, gerade, aber nicht nur für benachteiligte Kinder.

Wenn ich ein Kind hätte, würde ich mich vermutlich etwa ab einem Jahr auch für die Möglichkeit der Krippe entscheiden. Eine Betreuungszeit von bis zu 10 Stunden, die durchaus üblich ist, halte ich dagegen für problematisch, insbesondere wenn das Kind noch keine zwei Jahre alt ist. Nach meiner Beobachtung leiden diese Kinder. Sie sehen ihre Eltern nur morgens und abends kurz im Stress.

Der Haken an der Sache: Eine Krippenbetreuung von 3-5 Stunden täglich reicht nur für wenige Jobs, insbesondere wenn man durchschnittliche Verkehrswege zum Bringen und Abholen berücksichtigt. Für die Berufstätigkeit der Eltern bedeutet das, dass entweder eine Person höchstens mit viel Glück einen Halbtagsjob machen kann oder beide reduzieren müssen.

Auch wenn ich eine Krippenerziehung von wenigen Stunden zur Unterstützung der kindlichen Entwicklung befürworte, möchte ich das niemandem vorschreiben. Familien und Kinder sind unterschiedlich. Es kann viele Konstellationen geben, in denen Kinder sich sehr gut zu Hause entwickeln.

Das Betreuungsgeld berücksichtigt die oben genannten Umstände nicht. Für einige Kinder kann es zu Hause perfekt sein, für andere könnte eine Krippe eine große Unterstützung sein. Allerdings ist es unstrittig, dass Kinder in Armut oft vielfältige Entwicklungsnachteile haben und besonders von der Krippe profitieren. Und der Verdacht liegt nahe, dass gerade für Eltern mit geringem Einkommen die 150,-€ einen Entscheidungsanreiz darstellen. Eine finanzielle Förderung, die an die Nicht-Inanspruchnahme von Krippe/Kita gebunden ist, halte ich deshalb für gefährlich für benachteiligte Kinder.

Dagegen gibt es eine ganze Reihe sinnvoller Forderungen zur Förderung von Familien, z.B.:

  • Ein Mindestlohn, damit Eltern nicht wegen ihrer Kinder zu HartzIV-Empfängern („Aufstockern“) werden.
  • Ausreichend Krippenplätze, die kostenlos sein sollten (in München kostet ein Krippenplatz ca. 500€/Monat)
  • sowie einen Rechtsanspruch auf Krippenplatz unabhängig von der Berufstätigkeit der Eltern.

Was würde darüber hinaus die Wahlfreiheit von Eltern erhöhen, ob sie nach dem Ende des Elterngeldanspruchs (12-14 Monate) länger zu Hause bleiben wollen? Natürlich eine längere Zahlung des Elterngeldes. Sein Vorgänger, das Erziehungsgeld war lohnunabhängig (für viele also niedriger) und wurde 2 Jahre gezahlt. Vielleicht könnte man einen Kompromiss finden. Wichtig ist, dass eine Teilzeiterwerbstätigkeit erlaubt ist und natürlich auch die Betreuung des Kindes in einer Einrichtung.

Zusätzlich wäre zu überlegen, wie Eltern unterstützt werden können, ihren Kinder gute Bedingungen zu bieten. Was wäre denn, wenn Eltern ein paar Stunden reduzieren könnten und den Verdienstausfall ersetzt bekämen, damit ihr Kind nicht zu lange in der Kita bleiben muss? Nur mal so rumgesponnen.

Update, 21.04.2012
Da das in dem Artikel noch nicht so deutlich rauskam, möchte ich nochmal auf den Punkt Wahlfreiheit und geringes Einkommen eingehen: Es ist grausam, Eltern mit Niedriglohn vor die Wahl zu stellen, ob sie etwas mehr Geld oder Bildung für ihre Kinder wollen. Wenn der Lohn kaum zum Leben reicht, ist es verständlich, wenn das Geld gewählt wird. Diese Eltern dann als bildungsfeindlich hinzustellen, hilft nicht weiter. Vielmehr muss, wie oben beschrieben, generell etwas für die sichere Existenz getan werden, um Wahlfreiheit zu gewährleisten.

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Die Facepalmisierung des Internets. Ein Rant.

Ich weiß nicht genau, wann es anfing, aber in diesem meinem Internetz hat sich was verändert. Erst schleichend, dann immer stärker. Zum ersten Mal bemerkte ich etwas, als ich folgende Geste – es war in einem Tweet von @korbinian – erstmals auf Twitter erblickte: m( Inzwischen wird, so kommt es mir vor, massenhaft gefacepalmt, gerantet und der Kopf auf die Tischplatte gedonnert. Vielleicht haben die folgenden Gehirnerschütterungen zu bleibenden Schäden geführt. Menschen, deren politische Meinung ich nach wie vor hoch schätze und die ich einst für besonnen hielt, zeigen nämlich kollektiv ein befremdliches Verhalten: Die Empörung, die sich früher gegen den politischen Gegner und die GEMA richtete, richtet sich plötzlich gegen die eigene Gruppe, sogar gegen ehemals gute Freunde. Da wird bei der kleinsten Abweichung von der eigenen Meinung gnadenlos beschimpft und entfolgt. Wohlgemerkt entsetzt mich dieses Verhalten, da es massenhaft bei Menschen auftritt, die ich für darüber weit erhaben hielt. Toleranz und Meinungsvielfalt sind scheinbar nur noch theoretisch hohe Werte. Interesse an anderen Meinungen und kontoverser Diskussion kaum noch vorhanden.

Woher kommt das? Wo sind euer Humor und eure Diskussionsfreude? Warum muss ich täglich auf Twitter lesen “Wer noch einmal Wort xy schreibt, wird entfolgt”? Wozu die ganzen abwertenden Vokabeln, warum andere lächerlich machen, anstatt einfach mit ihnen zu reden? Wie wäre es denn, der betreffenden Person, die etwas so unsägliches gebloggt/getwittert/gesagt hat, einfach mal in Ruhe zu erklären, was mir nicht passt? Anstatt sie durch einen abwertenden Tweet zu verhöhnen?

Warum war mein Internetz früher kuscheliger? Damals, als ich entdeckte, dass ich hier Gleichgesinnte finden und gemeinsam auf die anderen schimpfen und an einer besseren Zukunft arbeiten kann? Ich befürchte, einige haben es zu weit getrieben, mit dem kuschelig einrichten: Wenn ich nämlich alle rausschmeiße, die nicht ganz auf meiner Linie sind, dann gibt es keine mehr, an denen ich mich reiben und weiterentwickeln kann. Und auch die Partei und die Gesellschaft entwickeln sich nicht weiter, wenn es viele kleine Subkulturen gibt, die streng voneinander getrennt sind und nicht miteinander reden sondern nur aufeinander eindreschen.

Ein kleiner Exkurs: Ich bin Sozialarbeiterin. Ich arbeite mit Menschen, die viele Fehler gemacht haben und viele ungünstige Dinge gelernt und verinnerlicht haben. Wenn ich die beim ersten Fehler vor die Tür setzen würde, wäre ich schnell arbeitslos. Ich muss ihnen immer wieder die Chance zur Auseinandersetzung geben, Verhalten spiegeln, Reflexion ermöglichen. Natürlich gibt es auch Grenzen und manchmal ist eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich. Aber bei den allermeisten braucht es viele Gespräche, ich muss sie sehen, ernst nehmen, zuhören, damit sie auch mir zuhören und mich ernst nehmen und dadurch dazulernen. Nichts anderes ist doch eine gute Diskussion, ob im Internet oder RL. Ich teste eine Position und sehe, wie Menschen darauf reagieren. Ihre Reaktionen bringen mich zum Nachdenken, sofern sie respektvoll sind. Sind sie abwertend, verletzen sie mich oder sind mir gleichgültig. Sie bringen mich jedenfalls nicht dazu, meine Meinung zu überdenken und weiter auszuarbeiten. Dafür brauche ich Menschen, die nachfragen, zu verstehen versuchen und meine Äußerungen sachlich und respektvoll auseinandernehmen.

Das Phänomen der vollkommenen Abwertung erinnert mich an die Leute, die Texte nicht zu Ende lesen, weil sie Gender Gap oder Binnen-I enthalten. Ganz ehrlich: Es gibt eine ganze Menge Verbrechen im Schreibstil von Menschen, die die Lesefreude erheblich stärker schmälern, als diese Lösungsversuche für ein kompliziertes Sprachproblem. Trotzdem lese ich weiter, wenn mich ein Thema interessiert und gestehe dem Autor seine Eigenheiten zu. Es ist absolut albern, deshalb Texte abzulehnen. Ich verlasse doch auch nicht den Raum, weil ein Redner zu laut/leise/schnell/langsam redet oder zu viele Adjektive verwendet! Genauso wenig wie ich jemanden entfolge, weil er eine andere abweichende Meinung hat. Klar entfolge ich Menschen, die mich zu sehr nerven. Aber grundsätzlich interessiert mich, welche Meinungen und Diskussionen es in meiner Partei und darüber hinaus so gibt. Manchmal hat da jemand ganz schön unrecht und dann will ich doch, dass die Person versteht, warum ich das meine! Wenn ich dann erstmal den Namen zusammen mit einem m( getwittert habe, wird sie mir bestimmt zuhören! Nicht. Facepalms kann ich mir immer noch für die Leute aufheben, die mir tatsächlich ganz bestimmt nicht zuhören, z.B. die Regierung und die GEMA.

PS: Die Erwähnung von @korbinian bedeutet nicht, dass ich ihn in Zusammenhang mit dem beschriebenen Phänomen bringen möchte.

 

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Ahoi und Servus!

Merkel hat offenbar Wulff zum Amtsantritt etwas von ihrem Superglue geschenkt, mit dem sie immer ihre Hände beim Reden fixiert. Die Mundwinkel kann ich leider nicht so gut nachmachen. Sicher wollte sie mit dem Kleber vorbeugen, damit sich ihr neuer Präsident nicht so leicht vom ersten Windhauch aus dem Amt fegen lässt wie der letzte. Hätte ja fast geklappt, wenn nicht  Günther Jauch seine Sendung in einen Wulff-Report umbenannt hätte. Auch wenn Merkel offenbar etwas von dem Sinn des Amtes nicht verstanden hat. Oder einfach umdefiniert, so wie sie die Ausrichtung der CDU auch einfach umdefiniert hat. Die eigenen Mitglieder kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Am schnellsten kam die Kehrtwende beim Atomausstieg. Fliegt in Japan ein AKW in die Luft, und schon hat sie begriffen, das Atomkraft gefährlich sein könnte und ändert mal eben den Kurs. Jetzt frage ich mich, was in die Luft fliegen muss, damit sie merkt, dass Hartz IV unsozial ist, dass die Arbeitslosenstatistiken gefälscht sind, dass Überwachung keine Sicherheit bringt, dass sie gerade Banken unsere Steuergelder in den Rachen wirft und dass Bildung nachhaltige Wirtschaftsförderung ist?

So sehr ich mich auch anstrenge, mir fällt nichts ein, was dadurch verbessert werden kann, dass wir es sprengen. Wenn in einem anderen Land eine Schule in die Luft fliegt, fällt ihr dann auf, dass unsere Bildungspolitik nichts taugt? Muss ein Elendsviertel auf einem anderen Kontinent in Rauch aufgehen, damit sie merkt, dass Menschen in Deutschland verarmen? Vielleicht könnten auf einer internationalen Wirtschaftskonferenz die Fetzen fliegen, damit sie feststellt, dass unser Finanzsystem von korrupten alten Säcken ruiniert wird? Nein, praktischer Nachhilfeunterricht für die Frau Physikerin in Sachen Explosionen erscheint mir doch etwas zu makaber. Aber wir Piraten wissen ja: Nachhaltige Politik ist Bildungspolitik. Also fordere ich: Bessere Bildung für Politiker! Wie wärs denn, wenn Frau Merkel und die Damen und Herren Minister mal an einer dieser wunderbaren Fortbildungen vom Arbeitsamt teilnehmen würden, die ihnen so eine hervorragende Arbeitslosenstatistik bescheren? Ein Gabelstaplerführerschein würde ihre Persönlichkeitsbildung sicher bereichern. Ganz zu schweigen von den Lernerfolgen in Sachen Armut, Überwachung, Erniedrigung und Langeweile. Beim Haushalten mit HartzIV würden sie sicherlich die notwendige Finanzkompetenz zur Regulierung der Banken gewinnen. Wenn man sich selber überlegen muss, woher man das Geld fürs Bobby Car zum Kindergeburtstag kriegt, kommt die nämlich von ganz alleine.  Und wenn sie das sagenhafte Glück haben sollten, nach der Fortbildung in einen Niedriglohn-Hilfsarbeiter-Job vermittelt zu werden, der sie zu Aufstockern macht: Vielleicht fragen sie sich dann, warum der Staat für sie bezahlen muss, obwohl sie voll arbeiten und ihr Arbeitgeber satte Gewinnen einfährt. Ach nein, sie wissen ja, dass das an dem Kanzler-Schröder-Erfolgsrezept für die Deutsche Wirtschaft liegt, das sie fleißig weiter fördern. Wie sagte kürzlich Dirk Rossmann: Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch den Menschen gut. Sie werden sich also nicht beklagen, sondern zufrieden mit ihrem Niedriglohn-Aufstocker-Dasein in Demut leben. Und weiter auf die Vollbeschäftigung warten. Denn sie leben in einer exponentiellen Welt. Mehr technischer Fortschritt verringert zwar die notwendige Arbeit, aber das ist egal. Wir produzieren einfach mehr, bis wir alle drei Autos, fünf Fernseher und zehn Smartphones haben, nur damit alle voll arbeiten können? Nee, das wäre ja Planwirtschaft! Wir arbeiten alle weniger und genießen die restliche Zeit das Leben oder engagieren uns für die Gesellschaft? Nee, von unserem Burnout können wir uns wirklich nicht trennen. Wir denken über ein Grundeinkommen nach? Nee, das wäre ja eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Problemen der Zeit. Wir vertrösten die Menschen also auf später, wo es wieder Vollbeschäftigung und satte Löhne geben wird. Wachstum als immerwährendes Erfolgsrezept einer rückwärtsgewandten Politikergeneration. Frau Von der Leyen legt sich ja auch mächtig ins Zeug für höhere Löhne, durch einen ganz raffinierten Schachzug, indem sie nämlich – haltet euch fest – die Wirtschaft dazu auffordert, höhere Löhne zu zahlen! Da werden sich die Arbeitgeber sicherlich denken, wenn die Bundesarbeitsministerin schon so lieb darum bittet, erhöhen wir die Löhne doch gleich mal ordentlich! Solange sie keine ernsthaften Mindestlöhne auf den Weg bringt, ist ja nichts zu befürchten. Ja, liebe Frau Von der Leyen, sich hinstellen und populäre Forderungen scheinbar engagiert vertreten können Sie schon fast so gut wie unsere Kanzlerin. Ich betone: fast. Aber ich schweife ab, wir waren ja dabei, uns vorzustellen, unsere lieben Politiker hätten die Chance, ihre Großzügigkeit am eigenen Leib zu erfahren. Durch die neu erworbene Demut, bemerken sie vielleicht, dass nicht nur laut schreiende männliche alte Säcke gute Argumente haben. Sie könnten sich für Bürgerbeteiligung und Basisdemokratie begeistern und so eine gute Diskussionskultur entwickeln, wie… hüstel die Piratenpartei zum Beispiel. Auch die Opposition könnte gleich mitmachen und zur Abwechslung mal Schritte in die richtige Richtung loben, anstatt sofort lauthals zu schreien, das ginge doch alles nicht weit genug? Das würde vielleicht auch mehr kluge Leute motivieren, konstruktiv bei diesem „Politik“ mitzumachen.Aber ich sollte nicht so viel träumen, zurück zur Realität. Die Bildungslücken bei den Regierungsparteien – CDU und CSU – sind doch sicher auch schon der Opposition aufgefallen und diese ist ganz bestimmt dabei, alles dagegen zu tun! Richtig:  Gabriel will „die soziale Spaltung überwinden“ und die Grünen fordern eine Neuberechnung der HartzIV-Sätze. Aber Moment, wer hat nochmal HartzIV eingeführt? Rot-Grün? Nein, war doch alles nicht so gemeint, die Union und eine unbedeutende  Kleinpartei haben alles kaputt gemacht! Wir haben damit nichts zu tun, einself! Die letzte Hartz-Reform ist zwar noch zu Schröder-Zeiten in Kraft getreten, aber das kann man ja schonmal vergessen… Nein, kann man nicht! Diese vollkommene Amnesie der früheren Regierungsparteien sollte uns Sorgen machen. Handelt es sich um eine ansteckende Krankheit? Oder liegt es an der Struktur des Regierungshandelns, wird jede Regierung von diesem Phänomen ergriffen? Ich schlage den Einsatz eines Untersuchungsausschusses vor. Denn wenn unsere Volksvertreter wegen einer Krankheit nicht die Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen können – wie sollen sie dann Manager und Banker dazu verpflichten? Und wie soll das erst die einzelne HartzIV-Bedarfsgemeinschaft verstehen, die ihre persönlichen Verhältnisse vollkommen offenlegen muss? Fragen über Fragen. Früher war das natürlich alles besser. Vor wenigen Jahrzehnten hat es nur so gewimmelt von ehrenhaften Persönlichkeiten in der Politik! Mitreißende Reden haben die geschwungen und noch wahre Werte vertreten! Sie haben wohl nur einen kollektiven Aussetzer gehabt, als sie einen mäßig geeigneten Salzstock – zufällig in dünn besiedeltem Niemandsland in Niedersachsen und nahe der Zonengrenze zum vielversprechenden Atommüllendlager auserkoren. Dass er nach wissenschaftlicher Prüfung gar nicht in die engere Auswahl kam, wurde still unter den Teppich gekehrt. Eventuell geeignetere Standorte vielleicht sogar in südlichen Bundesländern wurden gar nicht erst weiter erforscht. Ein ausgezeichnetes Beispiel für sachorientierte Entscheidungsfindung! So wie Frau Merkels Atom-Erleuchtung! Prost!

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Liebe EMMA!

Liebe Frau Kämper, liebe EMMA-Redaktion,

danke, dass Sie über die Piraten berichtet haben! Das Thema Piratenpartei und Frauen ist lohnend und verdient eine differenzierte öffentliche Diskussion. Bisher ist darüber leider viel Falsches geschrieben worden und das eigentlich Berichtenswerte fiel dabei unter den Tisch. Insbesondere wurden bisher kaum Piratinnen interviewt. Leider bildet Ihr Artikel aber hier keine Ausnahme. Im Gegenteil – ich weiß gar nicht ob ich mich mehr über das Geschimpfe über unsere Männer oder über Totschweigen von uns Frauen ärgern soll. Zu den sachlichen Fehlern im Text hat ein anderer Pirat bereits in seinem Blog Stellung bezogen, dem kann ich mich nur anschließen. Ich habe aber noch einiges hinzuzufügen.

Zunächst möchte ich voranstellen, dass ich seit eineinhalb Jahren Parteimitglied bin, auf drei Bundesparteitagen, zahlreichen Stammtischen, Parteiveranstaltungen und Partys war und über 2000 Personen auf Twitter folge – ein erheblicher Anteil davon dürften Piraten sein. Ich glaube also, dass ich mitbekommen haben müsste, wenn die Piratenpartei ein frauenfeindlicher Haufen wäre.

Eine Äußerung wie die des von Ihnen zitierten anonymen „Piraten-Fans“ ist mir noch nicht untergekommen. Der Artikel suggeriert aber, es würde sich um die heimliche Mehrheitsmeinung der Männer in der Partei handeln. Wenn dem so ist, verbergen sie es äußerst geschickt. Die allermeisten bei den Piraten aktiven Frauen fühlen sich nämlich willkommen und arbeiten gerne mit.

Natürlich gibt es zu wenige Frauen bei den Piraten. Und natürlich stört das viele. Deshalb diskutieren wir viel über das Thema und fragen uns, warum Frauen weniger Politik machen als Männer. Vielleicht stimmt ja mit der Politik was nicht? Schließen wir unbewusst Menschen   (vielleicht nicht nur Frauen?) aus? Zahlreiche Blogeinträge, Twitter- und Mumble-Diskussionen sind zu dem Thema entstanden (Mumble ist sowas ähnliches wie Skype. Größere Gruppen können da telefonieren). Die Blogeinträge wären eine gute Lektüre bei der Recherche für Ihren Artikel gewesen! Natürlich gibt es auch Mitglieder, die diese Diskussionen unnötig finden. Und natürlich fallen auch sexistische Witze. Weil wir eine heterogene Gruppe sind und nicht alle die Feminismus-Schule besucht haben. Das sie aber nur diese Meinungen abgedruckt haben, ist sehr einseitig und vermittelt einen völlig falschen Eindruck. Sie würden doch auch nicht ernsthaft empfehlen, dass man sich über Feminismus informiert, indem man Kommentare unter feministischen Blogeinträgen liest? Eben. Ungehobelte Menschen gibt es nämlich überall im Internet. Wir halten es für das Beste, sie gar nicht zu beachten.

Die Menschen, die sich besonders intensiv mit dem Frauen-Thema befassen, haben sich zum „Kegelklub“ zusammengeschlossen. Das ist eine heterogene Gruppe. Die meisten würden Sie als Frauen bezeichnen. Manche nennen sich Pirat, andere Piratin und manche Feministin und andere nicht. Und wir arbeiten alle zusammen, diskutieren, analysieren und sind nicht immer einer Meinung. Das gehört so, denn wir sind eine demokratische Organisation. Wir verfolgen aber gemeinsam das Ziel, dem Frauen-Thema in der Partei Raum zu geben, um zu verstehen, wo das Problem liegt. Und etwas dagegen zu tun. Kürzlich haben wir eine große Online-Umfrage unter den Parteimitgliedern gestartet, um die Einstellungen zum Thema „Gender“ zu erfassen.

Über all das hätten Sie berichten können. Vor allem hätten Sie mit ein paar Frauen sprechen können – an Auswahl mangelt es nicht. Sie hätten etwas gegen das Problem tun können, dass bei uns aktive Frauen mit den Medien haben. Schon nach der Berlin-Wahl fiel uns auf, dass zwar alle Medien über die nur eine Frau im Abgeordnetenhaus berichteten, aber keine Interview-Anfragen an Frauen zu diesem Thema eingingen. Und es geht noch weiter. Marina Weisband hat darüber kürzlich in ihrem Blog berichtet. Nachdem sie bei der Bundes-Pressekonferenz von den Medien „entdeckt“ wurde, kriegt sie zwar inzwischen zahlreiche Interview-Anfragen. Man spricht mit ihr aber nicht über Politik sondern nur über ihr Aussehen, ihre Kleidung etc. Das ist ein Skandal! Hier brauchen wir Medien, die uns Frauen in der Piratenpartei unterstützen! Wir fühlen uns nicht ernst genommen, wenn immer nur über uns (bzw. unsere „Nicht-Existenz“) und nie mit uns über unser politisches Engagement gesprochen wird! Stattdessen machen sie sich über einen Tweet von Marina Weisband lustig, in dem sie sich über Unterleibsschmerzen beklagt. Um den zu verstehen, empfehle ich Ihnen abermals Marinas Blog. Darin erklärt sie, wie sie versucht, ein richtiger Mensch und gleichzeitig Politiker zu sein. Richtige Frauen haben Unterleibsschmerzen. Ich mag Marina gerade deshalb. Weil sie nicht in dunklen Hosenanzügen herumläuft und Politiker-Floskeln von sich gibt.

Über so vieles in Ihrem Artikel möchte ich mich noch empören. Zum Beispiel die Unterstellung, dass Männern Beleidigung, Belästigung und Gewalt Spaß machen. Mit solchen sexistischen Äußerungen erreichen wir sicher ein besseres Miteinander der Geschlechter! Es ist auch eine Unverschämtheit, wenn Sie intensiven Internetnutzern (anscheinend nur Männer) besonders negative Eigentschaften unterstellen und annehmen, dass die Piratenpartei einen Querschnitt dieser Gruppe darstellt.

Sie werden verstehen, dass die feminstische Arbeit bei den Piraten zuweilen frustrierend ist, wenn einem die Medien und selbst die EMMA in den Rücken fallen. Auf differenzierte Darstellungen in der Presse warten wir also weiter vergeblich. Schade!

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Gendergedöns Teil 2 oder die Öffnung der Piratenpartei

Warum wollen so viele Frauen keine Piraten sein? In der letzten Zeit wurde darüber viel spekuliert und ich habe in meinem letzten Beitrag angekündigt, das zusammenzutragen. Warum wir einen höheren Frauenanteil für notwendig halten, haben ich und Arte Povera ausführlich begründet. Den Bereich der Sozialisation hat Arte Povera schon so gut erläutert, dass ich das jetzt nicht so sehr ausführe. Ich konzentriere mich besonders auf die Aspekte von denen ich glaube, dass wir konkret etwas daran ändern können. Euch möchte ich bitte, in den Kommentaren zu ergänzen, falls euch noch Zugangsbarrieren oder mögliche Gegenmaßnahmen einfallen. Ich hoffe, dass dann ein paar davon umgesetzt werden, in Richtung einer generellen „Öffnung der Piratenpartei“, nicht nur auf Frauen bezogen. Ich nenne Frauen als Beispiel, da ich den geringen Frauenanteil für ein besonderes Problem halte. Trotzdem beziehe ich mich ausdrücklich auch auf andere Menschen, die von uns aktuell abgeschreckt werden.

 

  • Insiderwitze: Manche Leute fühlen sich ausgeschlossen, weil sie uns einfach nicht verstehen. Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen. Wenn man schon auf den ersten Blick das Gefühl hat, eh nicht zu verstehen, was da abgeht, kommt man gar nicht so weit, sich mit den inhaltlichen Forderungen zu befassen. Ich würde mich in der Mittagspause auch nicht unbedingt zu ein paar Mathematikern an den Tisch setzen, da ich erwarten müsste, kein Wort zu verstehen. Ganz bestimmt hätte ich nicht den Eindruck, dass sie wünschen, dass ich bei ihnen „mitmache“ (Stichwort Mitmach-Partei). Um das klarzustellen: Natürlich möchte ich euch nicht dazu auffordern, unseren Humor aussterben zu lassen! Es sollen nur mehr Leute daran teilhaben können! Was tun? Im persönlichen Kontakt hilft dagegen sicherlich, ab und zu einen Witz oder eine Anspielung zu erklären. An Infoständen könnte ein Flyer „Piraten verstehen für Anfänger“ hilfreich sein. Mehrere Leute haben sich schon zur Mitarbeit bereit erklärt. Demnächst werde ich anfangen, in einem Pad Ideen zu sammeln. Interessierte können sich in den Kommentaren melden, bevorzugt mit Twitter-Kontaktdaten. Langfristig fände ich es gut, einen solchen Bereich auch auf der Homepage einzubauen. Wie Fritz richtig sagte, helfen natürlich auch Aktionen, andere Gruppen zu erreichen, z.B. Liederbuch-Aktion und das Volksbegehren gegen Studiengebühren in Bayern.
  • Schüchterne Menschen wollen sich vielleicht erst einmal unauffällig unter eine Gruppe mischen, ohne selber besonders aufzufallen. Als Frau fällt man aber bei den Piraten automatisch eher auf. Wenn wir erstmal mehr Frauen sind, wird sich das von selber ändern. Vorher kann man dagegen sicherlich nur etwas tun, indem man interessierte Frauen persönlich anspricht und ermutigt, sich das alles einmal in Ruhe anzuschauen.
  • Ruhigere Menschen kommen weniger zu Wort. Das liegt an der Gesprächskultur. Man muss manchmal ziemlich energisch auf sich aufmerksam machen, weil wenige dominante Menschen die Debatten dominieren. Ruhigere Menschen gehen mit ihren Ideen und Gedanken dabei unter. Eine ältere Piratin berichtete mir, dass gelegentlich jüngere Frauen bei den Stammtischen auftauchen, aber nach kurzer Zeit wieder wegbleiben, weil sie gar nicht zu Wort kommen. Dagegen könnte helfen, ruhigere Menschen ab und zu gezielt nach ihrer Meinung zu fragen und Menschen mit höheren Redeanteilen ab und zu darauf hinzuweisen, sich zurückzunehmen. Der nächste Punkt hängt mit diesem unmittelbar zusammen.
  • Trolle und Schreihälse: Leider werden besonnene und vernünftige Menschen bei den Priaten in Diskussionen auf Mailinglisten und Twitter manchmal so lange genervt, bis sie Ruhe geben. Einige scheinen der Meinung zu sein, eine Diskussion gewonnen zu haben, wenn das Gegenüber nichts mehr sagt. Das führt nicht dazu, dass die besseren Argumente gewinnen und das die kompetentesten Menschen gewählt werden. Dazu eine Geschichte aus einem Blog, leider finde ich den Link nicht mehr. An einer Schule bestand der Mathe-Leistungskurs fast immer nur aus männlichen Schülern. Der Test, um an dem Kurs teilzunehmen, war freiwillig. Irgendwann kam die Schule darauf, den Test für den ganzen Jahrgang zur Pflicht zu machen. Die Schülerinnen waren gleich gut und in der Folge war der Kurs immer mindestens zur Hälfte mit Schülerinnen besetzt (wer den Link hat: her damit!). Was ich damit sagen will: Wir müssen die Potentiale der Mitglieder finden und nutzen. Es sind nicht automatisch die am besten, die meisten von sich überzeugt sind. Ein ausgezeichnetes Instrument gegen Trolle und für qualitätvolle Arbeit ist aus meiner Sicht Liquid Feedback. Sinnlose Anträge schaffen dort das Quorum einfach nicht. Sinnlose Änderungsvorschläge muss man nicht berücksichtigen. Aus den Mehrheitsverhältnissen sieht man, dass meist die „schweigende Mehrheit“ recht vernünftig ist und nicht hinter den lauten Trollen steht. Deshalb ist es aus meiner Sicht dringend geboten, sich um eine Verbesserung und vermehrte Nutzung von LQFB zu bemühen (LQFB war übrigens für mich der Grund, Piratin zu werden).
  • Technische Zugangsbarrieren: Für manche Menschen ist ein Computer immer noch tendenziell bedrohlich. Sie empfinden es z.B. als Zumutung, täglich ihre Mails checken zu sollen, tippen langsam und sind nicht bereit, eine Diskussion in schriftlicher Form zu führen. Was tun? Dagegen hilft zum Einen, diesen Menschen Hilfe anzubieten, wenn sie in dem Bereich mehr lernen wollen. Zum Anderen sollten auch andere Möglichkeiten gut kommuniziert werden, z.B. RL-Treffen und Telefonnummern von Ansprechpartnern. Auch Medienkontakt, Straßenwahlkampf und Präsenz auf Veranstaltungen sind nicht zu unterschätzen, wie sich jüngst in Berlin wieder gezeigt hat. Kürzlich hatte ich einen sehr netten Kontakt zu einer aktiven Piratin, die nicht Twitter nutzt und sich über viele parteiinterne Angelegenheiten durch ihren Mann informieren lässt. Da nicht alle potentiellen Interessenten mit Piraten verheiratet sind, müssen wir also besonders aufmerksam mit nicht so internetaffinen Piraten und Interessenten umgehen.
  • Die Medien allgemein: Die Medien sind ein Problem. In fast jeder Einleitung zu einem Artikel über die Piraten steht, dass wir ein freies Internet fordern. Diese Festlegung auf das Hauptthema verhindert, dass Leser, die sich nicht als internetaffin betrachten, weiterlesen. Selten wird auch adäquat dargestellt, welche Gedanken von Freiheit und Bürgerrechten hinter unserer Forderung von einem freien Internet stehen. Dadurch merken viele Leser gar nicht, dass sie sich vielleicht doch mit unseren Forderungen identifizieren können.
  • Die Medien in Bezug auf Frauen bei den Piraten: Bereits in meinem letzten Artikel hatte ich dargestellt, dass es hilfreich wäre, wenn die Medien den geringen Frauenanteil nicht als Frauenfeindlichkeit der Piraten interpretieren würden, sondern aktive Frauen mal fragen würden und berichten, dass diese keine Benachteiligung erfahren und gerne mitarbeiten.
  • Vermitteltes Frauenbild: Da es nur wenige Frauen gibt, kann es auch vorkommen, dass sie abschreckend wirken, wenn eine interessierte Frau sich nicht mit den Frauen an ihrem lokalen Stammtisch identifizieren kann (s. dazu z.B. diesen Blogeintrag). In Wahrheit ist die Gruppe der Frauen in der Partei sehr heterogen. Manche sind sehr „nerdig“, andere sehr „weiblich“ und ihre Meinung zu Genderthemen deckt wahrscheinlich die ganze Palette von möglichen Meinungen zu diesem Thema ab. Es ist nicht möglich aus Sicht „der Frauen“ bei den Piraten zu sprechen. Aber es ist wichtig, allen zu zeigen, dass sie willkommen sind und bei uns nicht in Schubladen gesteckt werden!

Fazit: Piraten als Mitmach-Partei positionieren! Insgesamt wird für mich aus den aufgezählten Punkten immer deutlicher, dass wir uns stärker als Mitmach-Partei positionieren müssen. Den Wählern und potentiellen Mitgliedern zeigen, dass alle sich einbringen können und wir gerne unterschiedliche Menschen in unseren Reihen haben. Dazu könnte beitragen, kleine Mitmach-Aktionen an Infoständen zu machen, z.B. Umfragen zu aktuellen Themen. Also nicht: Wir sind eine Partei und wollen euch von unserer Meinung überzeugen, sondern: Wir sind eine Partei und uns interessiert, wie ihr die Probleme in diesem Land seht und was ihr für Lösungsideen habt. Ihr könnt übrigens auch selber mitmachen!

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Im Schwarm die Welt nachhaltiger machen!

Bei der Semnos Summer Week im Juni 2011 in Augsburg trafen sich Mitglieder verschiedener Organisationen, um gemeinsam an Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung zu arbeiten. Referenten und Teilnehmer berichten in diesem Podcast von ihren Ideen, Projekten und Eindrücken von der Veranstaltung. Unter anderem sind Richard Wilkinson und Frithjof Bergmann zu hören.

 

Download (MP3)

Links zu den vorgestellten Organisationen und Projekten:

 

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Ich will aber!

Disclaimer: Ich behaupte NICHT, dass irgendein biologisch männlicher Pirat biologisch weibliche Piraten in irgendeiner Weise benachteiligt oder dass Frauen innerhalb der Piratenpartei schlechte Chancen auf Ämter oder Ähnliches haben!
Disclaimer 2: Ich bin kein Fan von Alice Schwarzer oder von der Quote der Grünen. Eure Argumente dagegen könnt ihr also gleich wieder einpacken und erstmal lesen, warum ich TROTZDEM über das Gender-Gedöns reden will.

Das fasse ich mal ganz kurz zusammen:
1) Es gibt wenige Frauen in der Piratenpartei.
2) Ich will wissen, warum das so ist.
3) Ich will, dass wir gemeinsam versuchen, das zu ändern. Aus Gründen.
4) Danach bekämpfen wir Benachteiligung, Diskriminierung und Sexismus in der Gesellschaft.

Und jetzt muss ich ein bisschen schreien: ICH BEHAUPTE DOCH NICHT, DASS IHR SCHULD SEID, ICH WILL NUR, DASS IHR WAS DAGEGEN MACHT! DAS IST WICHTIG!

Frauen sind nicht die besseren Menschen und nicht klüger als Männer. Aus naheliegenden Gründen haben sich bisher überwiegend Frauen mit der Benachteiligung von Frauen befasst. Dabei wurde viel Kluges, Dummes, Lustiges, Pauschales, Differenziertes, Unfaires und Weises gesagt. DESHALB HÖRT BITTE VERDAMMT NOCHMAL AUF, JEDE FRAU, DIE SICH DAZU ÄUẞERT IN DIE SCHWARZER/GRÜNE/DOGMATISMUS-SCHUBLADE ZU STECKEN! HÖRT ZU, DENKT SELBER, BILDET EUCH EINE MEINUNG UND DISKUTIERT MIT!
DANKE!

Langversion:
Auch mich hat wütend gemacht, dass die Medien sich nach dem Wahlerfolg in Berlin an 14:1 aufgehängt haben und sich nicht damit auseinandergesetzt haben, was Frauen in der Partei tun und sagen (dazu hier der Kegelklub). Hätten sie recherchiert und dann geschrieben, dass wir Frauen es bei den Piraten ziemlich super finden und es eventuell manchmal sogar etwas leichter haben als Männer, wären vielleicht ein paar mehr Frauen beigetreten. Aber ein paar mehr Frauen reichen nicht. Aus Gründen. Ich weiß, dass jetzt viele Piraten aufschreien. Freiheit, Freiwilligkeit, jede die will kann doch mitmachen und wenn zufällig kaum Piraten Brüste haben, ist das doch auch ok! Brüste sind nun relativ offensichtlich, aber natürlich trifft das auch auf andere gesellschaftliche Gruppen zu. Es ist eine Binsenweisheit, dass die die „Mitmach-Partei“ mehrheitlich aus einer ziemlich homogenen Gruppe besteht (Penis, eher gebildet, mitteljung, irgendwas mit Internet). Klar, gibt es AUCH Frauen, Rentner und vielleicht sogar ein paar Mitglieder ohne Internet – wer weiß? Aber die Mehrheit ist eine andere. Und da kommt bei mir die kognitive Dissonanz. Mitmach-Partei, Basisdemokratie, Beteiligung. Einzug ins erste Landesparlament, steigende Umfragewerte. Der Anspruch, die Gesellschaft besser zu machen. Und alle können doch mitmachen! Genauso wie alle Kinder ja aufs Gymnasium können, wenn sie sich nur anstrengen (Dieser Irrtum ist in der Bildungssoziologie eigentlich längst beseitigt. Und seit PISA wissen sogar die Mainstream-Medien, dass schlechte Bildungschancen sozial vererbt werden). Da passt was nicht zusammen. Das Denken, dass alle mitmachen können, wenn man es anbietet, ist überholt (Soziologie ist übrigens ein spannendes Studienfach).

Wir haben wunderbare Ideale entwickelt, ein eigenes Denken, eine eigene Kultur. Wir haben gesehen, dass diese bedroht wird. Deshalb haben wir (ok, am Anfang war ich noch nicht dabei, aber so klingt es besser) eine Partei gegründet. Um unsere Interessen zu vertreten. Wir haben auch begriffen, dass unsere Ideale nicht nur das Internet betreffen und den Anspruch entwickelt, auch andere Gesellschaftsbereiche zu verändern. Wir sind sogar gegen soziale Benachteiligung. Aber wir sehen nicht, dass unsere Kultur auch Menschen ausschließt. Dass wir alle dieselbe Brille aufhaben und einen großen Teil der Gesellschaft und ihrer Probleme überhaupt nicht wahrnehmen. Und dass ein Großteil der Menschen uns nicht wahrnehmen, weil sie unsere Kultur nicht begreifen. Menschen, deren Probleme wir lösen wollen. Ganz schön überheblich.
Wir müssen es probieren! Wir müssen intern testen, ob unsere Kultur auch in einer heterogeneren Gruppe funktioniert. Mit mehr Nicht-Nerds. Wir können doch nicht schon vor Beginn aufgeben! Aufgeben wie die anderen Parteien, die sich entweder damit abgefunden haben, dass Politik fast nur von privilegierten weißen Männern gemacht wird oder die eine Quote haben, um das zu steuern. Ich will, dass wir so cool werden, dass Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen mitmachen wollen! Ich will, dass wir zuhören und Probleme der Menschen erkennen. Mit unserer Nerd-Brille neue Sichtweisen und Lösungen finden. Dass dann neue Menschen zu uns kommen, auch solche, die nicht im Internet wohnen. Und auch, dass etwa die Hälfte von uns Frauen sind (ich höre die Aufschreie). Weil über die Hälfte der Menschen in diesem Land Frauen sind und weil alle Menschen von einer besseren Welt träumen.

Meint ihr es ernst mit dem Welt verändern oder wollt ihr nur euer Biotop retten?

Ich bitte um eure Biotop-Exit-Strategien in den Kommentaren. Nächste Woche kommt meine Sammlung von Gründen, warum so wenige Frauen in der Piratenpartei sind.

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“Sie hat Piratin gesagt!”

Julia Schramm (@laprintemps) und ich haben uns zusammengesetzt und bei Weißweinschorle im Park über Piratenfeminismus sinniert. Sebastian Westermayer (@Fasel) und Benjamin Stöcker (@einfachBen) kamen auch zu Wort und schließlich beehrte uns noch maha (@martinhaase) mit einem Schlusswort.

 

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Für die Hintergrundgeräusche möchte ich entschuldigen und die Ehre für die technische Umsetzung gebührt Ben!

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Was Bildung ist und wie Kinder die Welt retten

Dies ist der Podcast zu meinem kürzlichen Blogeintrag für ThinkCamp über die Kinder von Plant-for-the-Planet. Obwohl ich die Kinder seit Beginn der Initiative kenne, haben mich die Interviews mal wieder tief beeindruckt. Zurück blieb der Gedanke: So kann Bildung gelingen!

 

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